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UPAbriss beendet - Erste Arbeiten für neues Freizeitbad begonnen

Schwimmen im Bumerang

Futuristisch: So soll das neue Freizeitbad am Nigglweg aussehen, wenn es 2019 fertig ist. Die Bumerangform hat Raum für eine Wasserlandschaft im rechten Trakt und eine Saunalandschaft im linken Teil. Hier nicht berücksichtigt: das neue Gebäude für die Eisbahn. Futuristisch: So soll das neue Freizeitbad am Nigglweg aussehen, wenn es 2019 fertig ist. Die Bumerangform hat Raum für eine Wasserlandschaft im rechten Trakt und eine Saunalandschaft im linken Teil. Hier nicht berücksichtigt: das neue Gebäude für die Eisbahn. Fritz-Planung GmbH

Das Alte ist weg, das Neue kann kommen. Nach dem Abriss begannen jetzt die ersten Arbeiten am neuen Freizeitbad, das das alte Nautiland ersetzen wird: ein schickes, hochmodernes Gebäude in Form eines Bumerangs, mit Schwimmbädern, Saunalandschaft, Wellness, Gastronomie und einer Videorutsche. Was noch fehlt: der neue Name.

von Rainer Adelmann

Derzeit gleicht das Gelände am Nigglweg, an dem einst das Nautiland stand, einer Mondlandschaft. Am 5. März dieses Jahres wurde das Bad geschlossen, seitdem tummeln sich Bagger und Lkw auf dem Gelände. Ein halbes Jahr hat ausgereicht, um das alte Gebäude bis zu seinen Grundfesten abzureißen und den Raum für ein neues Freizeitbad zu schaffen, das bereits im Jahr 2019 in Betrieb gehen soll.

UP Magazin sprach mit dem Geschäftsführer der Würzburger Bäder GmbH, Jürgen Athmer, über den Weg vom alten zum neuen Freizeitbad, den Verlauf der Arbeiten und das, worauf sich die Würzburger schon jetzt freuen können.

Der Weg zum neuen Bad begann bereits kurz nach der Jahrtausendwende: „Das Nautiland war in die Jahre gekommen“, so Jürgen Athmer. 1973 war an dieser Stelle einst das Zellerauer Bad eröffnet  worden – mit einer großen Liegewiese samt angeschlossenem Hallenbad. Aus dem Zellerauer Bad erwuchs 1990 – rechtzeitig zum Start der ersten Landesgartenschau – das Nautiland.

Das einstige Sportbad hatte sich dadurch zum Spaß- und Freizeitbad gemausert. Wahrzeichen war die durchsichtige Kuppel. Wasserrutsche, Sprudel- und Strömungseinrichtungen und ein beheiztes Außenbecken ließen einen Badbesuch zum Vergnügen für die ganze Familie werden.

Ein halbes Jahr dauerten die Abrissarbeiten auf dem Nautliand-Gelände. Im Oktober begannen die ersten Arbeiten für das neue Freizeitbad am Nigglweg. | Foto: Rainer AdelmannEin halbes Jahr dauerten die Abrissarbeiten auf dem Nautliand-Gelände. Im Oktober begannen die ersten Arbeiten für das neue Freizeitbad am Nigglweg. | Foto: Rainer Adelmann2002 und 2003 kamen erste Überlegungen auf, das Nautiland zu ertüchtigen, um es weiterhin attraktiv erhalten und betreiben zu können. Sanierungsmaßnahmen wurden vorgeschlagen und auch der Standort wurde diskutiert. Fraglich war, ob man am alten Platz bleiben oder nicht gleich weiter draußen – eventuell am Dallenbergbad – ein großes Freizeitbad bauen sollte. „All dies stand zur Disposition und wurde diskutiert“, so Geschäftsführer Jürgen Athmer. „Schließlich hat man sich dazu durchgerungen, den Standort in der Zellerau beizubehalten – weil er sich bewährt hat.“

Badumbau und Sanierung bedeuteten ein ebenso umfangreiches wie kostenintensives Projekt. Die bisherige Zuständigkeit der Stadtbau GmbH wurde aufgelöst und 2012 extra eine neue GmbH gegründet, in die alle Bäder überführt wurden: die Würzburger Bäder GmbH. Ein Sanierungskonzept wurde entwickelt. Der damalige Generalplaner erarbeitete einen Grundentwurf und setzte Umbaukosten von rund 15 Millionen Euro an.

Als Jürgen Athmer zu diesem Zeitpunkt seine Arbeit als Geschäftsführer begann, musste er aufgrund der bisherigen Besucherzahlen und seiner Erfahrungen feststellen, dass das geplante Bad zu klein dimensioniert war. „Mit den damaligen Plänen hätte man an gut besuchten Tagen schon um die Mittagszeit einen Einlassstop ausrufen müssen. Dann wäre man nur ins Bad gekommen, wenn es ein anderer Besucher gleichzeitig verlassen hätte.“

Die Pläne mussten also entsprechend angepasst werden, um dem Anspruch einer Stadt von der Größe Würzburgs gerecht zu werden. Als die Planungen die Marke von 20 Millionen Euro überschritten, stellte sich letztlich die Frage, was denn ein Neubau kosten würde. 2015 kristallisierte sich nach weiteren Planungen heraus, dass sich die Differenz zwischen Sanierung und Neubau auf weniger als zehn Prozent der Gesamtkosten belief. Der Stadtrat entschloss sich für den Neubau, der im Sommer 2016 verabschiedet wurde.

Für Jürgen Athmer war dies die richtige Entscheidung: „Lieber zwei Millionen Euro mehr in die Hand nehmen und wir haben ein komplett neues Bad.“ Auf diese Weise umgehe man zudem „böse Überraschungen, wie sie bei einer Sanierung immer auftauchen können.“ Die gab es dann bei den Abbrucharbeiten: Schadstoffe traten auf, mit denen man zwar gerechnet hatte, die aber die erwarteten Mengen überstiegen. 1972 hatte man Asbestplatten in den Baugrund untergearbeitet – damals kannte man weder deren Gefährlichkeit, noch lagen Vorschriften zur Entsorgung vor.

Eine alte Festungsmauer entpuppte sich als weitläufiger als gedacht und musste vor dem Abriss archäologisch bearbeitet werden. So geriet man in einen Zeitverzug von etwa zwei bis drei Monaten, der sich aber laut Jürgen Athmer bis zum geplanten Fertigstellungstermin aufholen lässt. Neun Lkw transportierten in den vergangenen Monaten Tausende Tonnen von Bauschutt ab, bevor vor wenigen Tagen die ersten vorbereitenden Arbeiten für den Neubau begonnen wurden.

Bei seiner Planung Ende der 80er Jahre war das Nautiland nicht unumstritten. Zellerauer Bürger befürchteten, dass das damals bisweilen als „Bonzenbad“ titulierte Nautiland keinen erschwinglichen Badbesuch mehr ermöglichen würde. Geschäftsführer Jürgen Athmer setzte daher von Anfang an auf Transparenz. Er war bereits in der Planungsphase für das neue Freizeitbad in engem Kontakt mit der Interessengemeinschaft Zellerau.

„Wir haben von Anfang an mit offenen Karten gespielt, um zu zeigen, dass die Stadt ein Bad für Bürger, Schulen und Vereine baut“, so Athmer. „Die Würzburger Bäder GmbH hat als Hauptaufgabe die Daseinsvorsorge.“ In der Tat zählt zu dieser Daseinsvorsorge, dass Kommunen den Bürgern das Schwimmen – insbesondere das Schul- und Vereinsschwimmen ermöglichen. Nun ist es aber so, dass gerade Schwimmbäder aus Gründen der Wasseraufbereitung, der Wassermengen und der Wassererwärmung besonders kostenintensiv sind. Die Kosten eines Wellnessbereichs stellen sich im Vergleich deutlich geringer dar.

Und so greift die Würzburger Bäder GmbH zu einem Trick: Eine Sauna mit zwölf Quadratmetern aufzuheizen sind vergleichsweise geringe Kosten gegenüber dem Betrieb eines Schwimmbads und so wird der Schwimmbadbesuch indirekt durch den Saunabereich subventioniert – ein Konzept, das man laut Jürgen Athmer häufig im Bereich der Freizeitbäder findet. Das bedeutet: Das neue Würzburger Freizeitbad wird im Grunde zweigeteilt sein. Dem entspricht die futuristische Bumerangform mit seinen zwei Flügeln: einer für das Schwimmbad, der andere für den Wellness- und Saunabereich. Der Eingang liegt an der gewohnten Stelle unterhalb des Parkplatzes. Nach rechts geht es – ebenfalls wie bisher – in den Schwimmbadbereich. Kasse, Umkleiden und Stiefelgang befinden sich an ähnlicher Stelle wie früher.

Eloxiertes Alublech verleiht der Fassade des neuen Freizeitbads einen warmen Gold-Messing-Ton. Das Dach wird aus Folie gearbeitet und farblich angepasst. | Visualisierung: Fritz-Planung GmbHEloxiertes Alublech verleiht der Fassade des neuen Freizeitbads einen warmen Gold-Messing-Ton. Das Dach wird aus Folie gearbeitet und farblich angepasst. | Visualisierung: Fritz-Planung GmbHIm Innenraum warten mehrere Becken auf den Besucher, unter anderem ein großes 25–Meter–Becken mit sechs, statt der bisherigen fünf Bahnen. Im Erlebnisbecken kann man in den Sprudelanlagen und im Strömungskanal relaxen, für die Kleinen gibt es ein Kleinkindbecken und für die Schwimmanfänger ein Lehrschwimmbecken mit einer breiten Einstiegstreppe.

Draußen locken im Sommer ein 25–Meter–Sportbecken mit drei Bahnen, das Erlebnisbecken und ein Becken für die Kleinsten mit Wassertieren und einer Breitrutschfläche. A propos Rutsche: Natürlich wird, wie im Nautiland, eine große Wasserutsche die Attraktion. Zwar wird die Strecke nicht länger – auch sie geht vom ersten Stock in den Keller. Aber: Sie wird mit einer Video-leinwand ausgestattet, so dass die wagemutigen Rutscher durch wechselnde spektakuläre Umgebungen flitzen – von Weltall bis Unterwasserlandschaft. In einer weiteren Ausbaustufe, so Jürgen Athmer, soll jeder Rutscher sogar sein eigenes Programm einstellen können.

Wer am Eingang nach links abbiegt, findet sich in der neuen Wellness- und Saunalandschaft wieder. Im Inneren schweben drei Kuben mit zwei verschiedenen Saunen und einem Dampfbad über dem Wasser. Zumindest soll der Eindruck dies vermitteln, denn sie stehen zur Hälfte über einem Wasserbecken. Dieses Indoorbecken wird 1,30 Meter tief und mit einer Theke ausgestattet sein, an der sich im Wasser ein Glas Sekt oder ein  Bierchen genießen lässt.

Im Außenbereich sind innerhalb des Saunagartens drei weitere Saunen (eine mit Blick auf die Festung) angesiedelt, ein Kneipp-Steg führt über einen großen Löschteich und ein Gradierwerk sorgt für gesunde, salzhaltige Luft. Weil das Gradierwerk an der Grenze zum Schwimmbadbereich erstellt wird, kommen auch die Badbesucher in diesen Genuss. Selbstverständlich werden diverse Ruhe- und Aufenthaltsräume, Duschen und Wandelbereich den Wellness- und Saunatrakt komplettieren.

Schwimmen und Saunen machen hungrig: Die Gastronomie spielt daher ebenfalls eine große Rolle im neuen Freizeitkomplex. Im Foyer ist bereits ein kleiner Bistrobereich angesiedelt und in der Wasserlandschaft gibt es sowohl drinnen als auch draußen weiterhin die bewährte Selbstbedienung, bei der man sich mit Pommes und Eis versorgen kann. Edler wird es in der Saunalandschaft: Dort kann man zu seinem Glas Sekt auch ein Drei-Gänge-Menü genießen – ebenfalls mit einer Indoor- und einer Outdoorfläche.

Übrigens profitiert auch die Eisbahn von der neuen Entwicklung: Sie wird nicht nur renoviert, sondern auch mit einem neuen Gebäude versehen. Die 1976 eingesetzten Rohre zur Kühlung mussten ausgetauscht werden – und mit ihnen kommen jetzt jede Menge weitere Änderungen. Die Räume in der Wallmauer wurden als Umkleiden für Eishockey und Eiskunstlauf umgebaut. Kiosk und Schlittschuhverleih wandern in ein neues Gebäude, das an die Architektur des Freizeitbades angeglichen ist.

Prägendes Element des großen Hauptgebäudes in seiner auffälligen Bumerangform wird eloxiertes Alublech sein, das der gesamten Architektur einen Messing-Gold-Ton verleiht. Das Dach wird aus einer Folie gefertigt, die entsprechend passend eingefärbt wird. Bewusst vermieden wurden Aufbauten, zum Beispiel für Klimaanlagen, um den Gesamteindruck nicht zu stören. Architektonisch hat man sich an dem neuen Gebäude des Fraunhofer-Instituts für Silicatforschung (ISC) am Neunerplatz  orientiert, um hier eine Einheit zu schaffen.

Mit rund 25 Millionen Euro werden die Kosten für das neue Freizeitbad beziffert. „Es ist nicht überdimensional, aber in seiner Größenordnung der Stadt Würzburg gerecht“, befindet Jürgen Athmer. Und: „Es soll ein Bad für die Würzburger sein.“ Das heißt: Man will keine aggressive Akquisepolitik betreiben, um bewusst Besucher aus beispielsweise Frankfurt oder Nürnberg zu erreichen. „Wir möchten die Würzburger für dieses Bad gewinnen, dass sie es gerne annehmen und stolz auf das Bad sind“, fasst er zusammen.

Während sich die Badbesucher noch bis 2019 gedulden müssen, können die Freunde des Eissports schon diesen Winter wieder in Aktion treten. Im Dezember soll die neue Eisbahn am Nigglweg wieder in Betrieb gehen. Die Zeit der Vorfreude auf das neue Bad können die Würzburger gut nutzen: Sie können sich schon mal einen Namen für ihr Bad überlegen. Klärung soll ein Preisausschreiben nächstes Jahr bringen.

 

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