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UPInterview mit dem Bauleiter der neuen Fußgängerzone Holger Döllein

„Nur an schöne Dinge erinnern“

Projektleiter Holger Döllein (rechts) geht mit dem Ende der Arbeiten an der neuen Fußgängerzone Eichhornstraße/Spiegelstraße in den Ruhestand. Sechs Jahre leitete der Bau- und Vermessungsingenieur der Stadt Würzburg die Großbaustelle. In dieser Zeit hat sich ein gutes Verhältnis zu den „Eichhörnchen“ der Werbegemeinschaft „Würzburgs Neue Mitte“ entwickelt. Mit im Bild: Joachim Drescher vom Pelzhaus Drescher und Daniela Binder von Crystal Mineralien und Schmuck. Projektleiter Holger Döllein (rechts) geht mit dem Ende der Arbeiten an der neuen Fußgängerzone Eichhornstraße/Spiegelstraße in den Ruhestand. Sechs Jahre leitete der Bau- und Vermessungsingenieur der Stadt Würzburg die Großbaustelle. In dieser Zeit hat sich ein gutes Verhältnis zu den „Eichhörnchen“ der Werbegemeinschaft „Würzburgs Neue Mitte“ entwickelt. Mit im Bild: Joachim Drescher vom Pelzhaus Drescher und Daniela Binder von Crystal Mineralien und Schmuck. Rainer Adelmann

Holger Döllein vom Fachbereich Bauen - Fachabteilung Tiefbau der Stadt Würzburg hatte die Projektleitung des Umbaus der Eichhornstraße/Spiegelstraße inne. Sechs Jahre betreute er verantwortlich die Großbaustelle für die Erweiterung der Fußgängerzone, die das Gesicht der Würzburger City neu prägt. Mit dem Ende der Bauarbeiten neigt sich auch sein Berufsleben dem Ende entgegen. UP Magazin sprach mit dem Bau- und Vermessungsingenieur, der Ende Juni in den Ruhestand geht.

Technischer Rat Holger Döllein hat in seinem Berufsleben sämtliche Behörden durchlaufen, wie er selbst sagt. Nach seinem Studium als Vermessungsingenieur arbeitete er zunächst in der Privatwirtschaft, ging dann zur Deutschen Bundesbahn, wo er ein Aufbaustudium als Bauingenieur absolvierte und arbeitete später beim damaligen Straßenbauamt, heute Staatliches Bauamt. Seit 1994 ist er bei der Stadt Würzburg tätig. In den vergangenen sechs Jahren war er als Projektleiter für die Großbaustelle Eichhornstraße/Spiegelstraße verantwortlich. Im Juni geht Holger Döllein in den Ruhestand.

Wann hat Ihre Arbeit an der neuen Fußgängerzone Eichhornstraße/Spiegelstraße begonnen?
Holger Döllein: Als ich das Projekt übernahm, war die Planung schon großenteils über meinen Vorgänger, Wolfgang Fey, gelaufen. Er ist Architekt, bei mir geht es mehr über die bautechnische Schiene. Das erste Problem, das mich beschäftigte, war der Unterschied zwischen der Tiefgarage am Markt und dem festen Untergrund. Beides bewegt sich anders und man muss die Arbeitsweise anpassen.
Bei der Tiefgarage kamen auch noch nicht die Archäologen zum Einsatz, denn die ehemalige Einfahrt zur Tiefgarage in der Eichhornstraße war ja schon ausgehoben. Als es dann mit dem Platz an der Kreuzung Wilhelmstraße und Martinstraße weiterging, mussten wir die Archäologie berücksichtigen und der Umweltschutz kam hinzu. Denn der Schutt, mit dem man nach dem Krieg den Raum zwischen den noch erhaltenen Keller- und Häuserwänden auffüllte, muss nach Umweltschutzrichtlinien entsorgt werden. In der Bombennacht vom 16. März 1945 kamen überwiegend phosphorhaltige Brandbomben zum Einsatz. Der Kriegsschutt gilt als belastetes Material.
Der Schutt musste also herausgebaggert und entsorgt werden. Weil wir so tief gingen, hatten wir aber wiederum mehr Unterbrechungen wegen archäologischer Arbeiten. Außerdem mussten wir Gebäudereste abbrechen, um eine gute Standfestigkeit zu gewährleisten und einen einheitlichen Aufbau zu bekommen.
Wir hatten bald gemerkt, dass wir uns etwas anderes einfallen lassen mussten, um den Zeitplan einzuhalten und die Kosten im Griff zu halten. Also bauten wir im Abschnitt 1.2. teilweise eine tragfähige Betonschicht ein. Dies ist kostengünstiger als tiefer zu gehen und die Schutt-Entsorgung zu bezahlen.
Doch auch das war nicht der Weisheit letzter Schluss, deshalb haben wir ab Abschnitt 2.1 durchgehend eine Drainbetonschicht als verstärkten Frostschutz eingeführt. Dadurch haben wir Geld gespart, denn wir mussten weniger entsorgen, brauchten weniger Zeit für die Archäologie und der Untergrund wurde sogar noch standfester.
Keine Baustelle ist gleich und oft lernt man mit dem Baufortschritt hinzu. In diesem Bereich der Stadt gibt es so viele Imponderabilien im Untergrund. Im Grunde erwartete uns ein Riesenmischmasch, weil man nach dem Krieg schnell versucht hat, wieder Versorgungsleitungen zu legen. Und in den 60er Jahren hat man wiederum anders gearbeitet und Zusätzliches installiert.

Was war das Herausfordernste an der Großbaustelle Fußgängerzone Eichhornstraße?
Holger Döllein: Das war eindeutig die Koordinierung. Wir hatten auf der Baustelle zum Einen die Versorgungsträger wie die Stadtwerke mit Gas, Wasser, Fernwärme und den Entwässerungbetrieb mit dem Kanal. Das sind jene Truppen mit den starren Leitungen. Dann kommen noch die mit den beweglichen Leitungen, also Telekommunikation, Strom und Beleuchtung sowie die Achäologen und die Baufirmen.
Man beginnt mit dem Kanal, der muss aber mit der Straßenentwässerung verbunden werden, also müssen diese Anschlüsse gleich mitgelegt werden – man will ja nicht nochmals bis in fünf Metern Tiefe aufbaggern. Hier darf also nichts vergessen werden.
Was erschwerend hinzu kam, war die Archäologie. Wir hatten Tage, da mussten wir zweimal deswegen den Bauablauf abändern. Dann wird an einer anderen Stelle aufgemacht und wieder etwas gefunden. Und irgendwann gehen einem die Baufelder aus. Dann müsste man im Grunde die Reißleine ziehen und die Baufirma nach Hause schicken. Aber genau das will man vermeiden, denn das würden die Außenstehenden nicht verstehen. Sie würden denken: Jetzt hören die einfach das Arbeiten auf.
Was die Kommunikation mit den Geschäftsleuten angeht, war ich froh, dass ich mit Joachim Drescher von der Werbegemeinschaft einen Ansprechpartner hatte. Wenn ich ihm eine Information gab, waren sogleich die meisten Geschäftsleute informiert. Für die Baustellenarbeit hatten wir jeden Mittwoch ein Jour fixe. Und trotz allen Ärgers, den es immer bei großen Baustellen gibt: Wenn ich zurückdenke, erinnere ich mich nur noch an die schönen Dinge.

Wie kam es zu dem guten Verhältnis zu den „Eichhörnchen“, also den Mitgliedern der Werbegemeinschaft. Sie wurden ja sogar zum Ehrenmitglied ernannt.
Holger Döllein: Das Witzige ist: Es begann eigentlich mit Ärger. Bei meinem ersten Treffen mit den „Eichhörnchen“ war sogar eine Anwältin dabei. Meine Sicht der Dinge war immer: Die Stadt baut für die Bürger. Teilweise waren die Baufelder um 5 Uhr früh geöffnet und wurden umgehend Füßgängerbrücken versehen. So konnten die Geschäfte fristgerecht um 10 Uhr öffnen.
Nach zwei Monaten hatte man gemerkt, was machbar und realistisch ist und es hatte sich ein Vertrauensverhältinis aufgebaut. Und beide Seiten haben festgestellt, dass sie gut zusammen arbeiten können. Und bei den nächsten Treffen war dann auch keine Anwältin mehr dabei – außer sie wollte mitkommen, weil es sie interessierte.

Die Fußgängerzone Eichhornstraße war ihr letztes großes Bauprojekt. Was waren ihre anderen Projekte in der Stadt?
Holger Döllein: Neben dem Arbeitsbereich als Gebietsingenieur für die Altstadt, Lengfeld, Versbach, Lindleinsmühle, Gewerbegebiet Ost waren Straßenbauprojekte meine Aufgaben.
Der Bau des Rosenmühlwegs und der Neubau der Stauferstraße waren meine ersten Maßnahmen bei der Stadt. Die Baugebiete „Kronberg II“ in Versbach und „Flürlein-Essiggarten“ in Lengfeld folgten. Weitere Projekte waren unter anderem der Bau der Nürnberger Straße von der Werner-von-Siemens-Straße bis zur Ohmstraße, die Matthias-Thoma-Straße (Nürnberger Straße bis B 8), die Steinbachtalstraße, die Straße um den Hornbach-Baumarkt von der Industriestraße bis zum Kreisverkehr Estenfeld, der Peterplatz und noch einige mehr.

Mit dem Abschluss der Fußgängerzone Eichhornstraße gehen Sie in den Ruhestand. Was sind Ihre Pläne für die Zeit danach?
Holger Döllein: Im vollen Ernst? Gar keine. Ich bekomme die Frage oft gestellt und meine Antwort lautet: Wenn ich weiter arbeiten möchte, hätte ich das auch bei meinem Arbeitgeber tun können. Ich bin aber oft mit dem Wohnmobil unterwegs. Und meine Frau träumt schon jetzt davon, das weiter auszubauen. Ein Plan ist zum Beispiel, mit dem Wohnmobil in Spanien zu überwintern.

 

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