UP Magazin

UPWürzburgWiki ist Würzburgs Online-Lexikon

Gesammeltes Stadtwissen

Archivarin Dr. Renate Schindler berät Julia Breunig (links) bei Recherchen im Stadtarchiv. Archivarin Dr. Renate Schindler berät Julia Breunig (links) bei Recherchen im Stadtarchiv. Ingrid Rack

WürzburgWiki nennt sich das Online-Lexikon, das von ehrenamtlichen Mitarbeitern geführt wird. Julia Breunig berichtet für das UP Magazin über ihre Arbeit beim WürzburgWiki.

von Julia Breunig

Gut sechs Jahre ist das WürzburgWiki jetzt alt. Und es macht sich: Kürzlich ging der 10.000ste Artikel online. Täglich greifen gut 2.000 Leser auf das Internetportal zu, auf der Suche nach Würzburgs Kneipen, Ereignissen, Bauwerken, Persönlichkeiten oder Straßen. Das Online-Lexikon sammelt und präsentiert unterschiedlichste Informationen rund um Stadt und Landkreis Würzburg und steht allen zum Lesen und Mitwirken offen.

„Würzburgwiki? Schreibt ihr den Würzburg-Artikel in der Wikipedia?“ wird schon mal gefragt. Nein, das WürzburgWiki funktioniert zwar ähnlich wie die Wikipedia und nutzt die gleiche Software, ist aber ein eigenständiges lokales Projekt; gefüllt von ehrenamtlichen Schreibern, betreut von einem kleinen idealistischen Administratorenteam. Im Januar 2009 wurde das Projekt von Ralf Thees gestartet, der zunächst auch den Speicherplatz zur Verfügung stellte. Nach und nach schlossen sich lokal Interessierte an und wurden zu festen oder gelegentlichen Autoren.

Im Sommer 2010 machte ich meine ersten Einträge im WürzburgWiki. Dort kennt man mich unter dem Benutzernamen Anna-Klara, bürgerlich heiße ich Julia Breunig und arbeite als Kartographin an der hiesigen Universtität. Mich lockte die Möglichkeit, an einem gemeinschaftlichen Würzburg-Projekt mitzuwirken. Zudem entdeckte ich beim Geocachen (GPS-Schatzsuche) spannende Orte in Würzburg, die meine Neugierde auf alle Winkel der Stadt weckten.
Damals waren erst 900 Artikel online und viele Suchanfragen liefen noch ins Leere. Es bestand sozusagen die freie Themenwahl für neue Artikel. Dies animierte mich zur näheren Betrachtung unterschiedlichster Sachverhalte rund um die Stadt und ihre Geschichte. Parallel dazu erfahre ich durch die zahlreichen Beiträge anderer Autoren ständig Neues und Interessantes über meine Heimatstadt.

Seit 2012 trifft sich das Autorenteam regelmäßig. Hierbei wurde auch beschlossen, auf einen professionell betreuten Server mit mehr Speicherplatz umzuziehen sowie einen Verein zu gründen, der das WürzburgWiki langfristig unterstützt. So entstand 2013 der gemeinnützige „Würzburgwiki – Verein zur Förderung des freien Wissens in Würzburg e.V.“.

Viele Städte und Regionen haben sich bereits an einem eigenen Wiki versucht. Einige sind groß und bekannt geworden, andere wieder eingegangen. Das WürzburgWiki hat sich hochgearbeitet zum zwischenzeitlich siebtgrößten Internetportal dieser Art in Deutschland sowie zum drittgrößten in Bayern. Im Lauf der Zeit wurden viele Kontakte aufgebaut: zur Stadt Würzburg, zum Landratsamt und einigen Landkreisgemeinden, zur Stadtbücherei, zum Diözesanarchiv u.v.m. Im Februar 2015 wurde die schon lange bestehende Kooperation zwischen WürzburgWiki und Stadtarchiv Würzburg sogar vertraglich besiegelt.

Die diversen Kontakte helfen uns, an Detailinformationen und Bildmaterial zu gelangen. Im Gegenzug gibt es inzwischen auch Gruppen und Behörden, von den Wiki-Recherchen direkt profitieren. So fand z.B. der Dachverband freier Würzburger Kulturträger über unseren Artikel einen Nachweis seines exakten Gründungsdatums. Die im Würzburger Adressbuch veröffentlichte Liste der Ehrenbürger wird zukünftig auch den Lengfelder Eugen Schmitt umfassen, der aus unbekannten Gründen fehlte, und in der offiziellen Liste der Baudenkmäler konnten auf Grundlage unserer Nachforschungen einige Details verbessert werden.

Als Nachschlagewerk ist das WürzburgWiki für alle Themen offen, Relevanzkriterium ist lediglich der Bezug zu Stadt und/oder Landkreis Würzburg. „Alles, was man über Würzburg wissen kann“ soll hier einmal zu finden sein; mit einer textlichen Beschreibung, Weblinks, Literaturangaben und Bildern. Zudem dient das Portal auch der thematischen Verknüpfung.
Die „Internen Links“ (blaue Wörter) bilden eine engmaschige Vernetzung zwischen den Themen. Sie leiten zur genaueren Betrachtung einzelner Namen oder Begriffe, zu Datumsseiten, zu Übersichts- oder Detailartikeln hin. Häufig helfen sie auch dabei, Zusammenhänge zu erschließen, z. B. zwischen Personen und Ereignissen oder zwischen heutigem Geschehen und historischen Hintergründen.

Ein Vorteil gegenüber Print-Publikationen ist zudem die schnelle Anpassungsmöglichkeit der Inhalte. Erweiterungen und Korrekturen können jederzeit unkompliziert vorgenommen werden. Wenn Inhalte veraltet oder Ergänzungen nötig sind, freuen wir uns über entsprechende Änderungen in den Artikeln bzw. über Leserhinweise per E-Mail.

So bekommen wir auch manchen Hinweis, der auf den ersten Blick fragende Gesichter auslöst. Z.B. zur Durchfahrtshöhe der Marktgarage: An der Martinstraße sind 2 m angegeben, an der Karmelitenstraße nur 1,90 m. Daraus ergab sich die Frage, ob denn 2 m hohe Fahrzeuge an der Karmelitenstraße problemlos ausfahren können. Eine Nachfrage bei der WVV ergab des Rätsels Lösung: Die Ein- und Ausfahrten sind alle 2 m hoch, bei starker Stellplatznachfrage werden an der Karmelitenstraße einfahrende Autos aber häufig in das 2. Tiefgeschoss geleitet, und dieses ist nur 1,90 m hoch.

Auch die Betrachtung der Abrufstatistik des WürzburgWiki bringt interessante Erkenntnisse. Es zeigt sich, dass bei den Lesern u. a. die Seiten über Flohmärkte und Buslinien besonders gefragt sind. Letztere bieten neben einem Direktlink zum Fahrplan auch Verlinkungen zu Artikeln über die einzelnen Haltestellen. Von den Suchmaschinen kommt auch die eine oder andere amüsante Weiterleitung. So suchte kürzlich ein Nutzer nach der „Adalbertakirche“ und wurde schließlich bei St. Adalbero in der Sanderau fündig.

Ebenso vielfältig wie die Artikel im WürzburgWiki sind auch die Verfasser. Das feste Autoren- und Administratorenteam umfasst meist fünf bis zehn Personen und wird erweitert durch einige Gelegenheitsschreiber und Neulinge. Im vergangenen Monat haben beispielsweise etwa 20 Personen an den Artikeln mitgewirkt.

Manch einer steckt viel Freizeit in das Recherchieren, Fotografieren und Schreiben. Auch die Betreuung von Neulingen ist wichtig, damit sich Interessierte gut zurechtfinden. Die Schreiber sind zumeist keine Historiker oder Journalisten sondern interessierte Laien.

Jeder kann einbringen, was seinen Interessen entspricht. Wenn Fragen oder Unklarheiten auftauchen wird diskutiert, Literatur gewälzt oder der Kontakt zu Fachleuten gesucht. Der monatliche Stammtisch dient dem Austausch untereinander und der gemeinsamen Weiterentwicklung des Projekts.

Wer mitschreiben möchte, ist immer willkommen. Wichtig ist für den Anfang nur: Die Texte sollten selbst verfasst und sachlich, die Inhalte möglichst durch Quellen belegt sein. Bei Abbildungen ist unbedingt das Urheberrecht zu beachten. Alles Weitere ist „learning by doing“: ausprobieren und nachfragen – so haben wir alle einmal angefangen.

Wer das Team kennenlernen möchte, ist herzlich zum Stammtisch eingeladen. In der Regel findet dieser am ersten Freitag im Monat um 19 Uhr im Café Journal statt. Der Termin wird jeweils auf der Hauptseite des WürzburgWiki bekannt gegeben.

Internet: www.wuerzburgwiki.de
E-Mail: info@wuerzburgwiki.de

 

UP - Der Überblick

  • 1
  • 2
  • 3
  • 4

Eine Allee führt in die Stadt

Eine Allee führt in die Stadt

Die Nürnberger Straße war lange Jahre das hässliche Entlein unter den Einfallstraßen Würzburgs. Die Zahl der Schlaglöcher war Legion und die Straße war nicht gerade das Entrée, das sich eine Stadt wünscht. Noch bis Ende 2021 laufen die Arbeiten für den Abschnitt zwischen Matthias-Thoma-Straße und Ohmstraße...

Mehr >

Wahres Yoga

Wahres Yoga

Yoga ist weder eine Religion, noch ist es Esoterik, noch ist es ein Fitnessprogramm. Aber es ist seit einigen Jahren „in“. UP Magazin sprach mit Uta Böttcher, qualifizierter Yogalehrerin mit Krankenkassen-Zulassung und zertifizierter Yogalehrer-Ausbilderin, über das, was Yoga wirklich ist.

Mehr >

Als Helden gefeiert

Als Helden  gefeiert

Im März und April – in der Hoch-Zeit der Corona-Pandemie – wurden die Mitarbeiter der Lebensmittelläden unversehens als Helden gefeiert, die dafür sorgen, dass die Menschen trotz Lockdown mit Nahrungsmitteln und den notwendigen Dingen des Alltags versorgt wurden. Wir sprachen mit Stefan Popp, Inhaber des E-Center...

Mehr >

So lebte man früher

So lebte man früher

Wer mit der Familie einen entspannten Tag verbringen will, ist im Fränkischen Freilandmuseum Fladungen genau richtig: Hier lässt sich mit allen Sinnen in den Alltag unserer Vorfahren im Dreiländereck Hessen, Thüringen, Bayern eintauchen. Ein Dorf ganz ohne Autos und Lärm, mit plätschernden Bächen, liebevoll angelegten Gärten...

Mehr >

Reisen

Kroatiens Perle

Kroatiens Perle

In dem kleinen Städtchen Trogir in Kroatien vermischen sich Geschichte, mediterrane Lebensart und mondäne Yachten zu einem besonderen Fleckchen Erde. Seine Nähe zur Adriametropole Split und dem Krka-Nationalpark machen Trogir und Umgebung zu einem der attraktivsten Urlaubsziele Kroatiens.

Mehr >
Website Realisation: CATLINE print & web | © UP Magazin 2016