UP Magazin

UPRückblick auf 200 Jahre Geschichte

Eine Institution feiert Geburtstag

Eine Institution feiert Geburtstag Sparkasse Mainfranken Würzburg

„Tradition im Herzen. Zukunft im Blick.“ So lautet das Motto der Sparkasse Mainfranken Würzburg zum 200. Jubiläum ihres Bestehens. 200 Jahre, in denen die Sparkasse als Institution die Entwicklung der Region und ihrer Menschen nicht nur unterstützt, sondern auch geprägt hat. UP Magazin wirft einen Blick auf die Geschichte, die am 1. Oktober 1822 begann.

Sie war sozusagen der Vorreiter: Am 1. Oktober 1822 wurde die Sparkasse Würzburg gegründet. Im Laufe des 19. Jahrhunderts zogen viele weitere Kommunen nach, so beispielsweise Kitzingen im Jahr 1840, Ochsenfurt ein Jahr darauf, wiederum ein Jahr später folgten Karlstadt-Arnstein und Lohr bis schließlich im Jahr 1845 auch Marktheidenfeld eine eigenständige Sparkasse gründete.

Es dauerte bis zum 1. Januar 2000, als sich die Sparkassen in Stadt und Landkreis Würzburg, sowie Main-Spessart und Kitzingen zur heutigen Sparkasse Mainfranken Würzburg zusammenschlossen und damit die aktuell viertgrößte bayerische Sparkasse formten.

Rund 1500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kümmern sich um die finanziellen Anliegen der Menschen in der Region Mainfranken. Vereine und Institutionen finden hier eine seriöse Unterstützung für ihre Projekte. Unternehmen und Kommunen verlassen sich auf die Kompetenz „ihrer“ Sparkasse Mainfranken Würzburg.

Selbstverständlich verändert und entwickelt sich vieles innerhalb von zwei Jahrhunderten. Die Sparkassen unterstützten die Menschen – ob vom Bayerischen Gulden bis zum Euro. Sie begleiteten die Kunden in Weltwirtschaftskrisen und Kriegen, aber auch in den aufstrebenden Zeiten des deutschen „Wirtschaftswunders“. Das Angebot und die Strukturen wurden den jeweils aktuellen Entwicklungen angepasst. UP Magazin wirft einen Blick auf die wechselvolle Geschichte der Sparkasse, die auch die Geschichte der Menschen in unserer Region widerspiegelt.

Alles begann mit dem damaligen Würzburger Bürgermeister, Hofrat Professor Dr. Wilhelm Joseph Behr: Sein Anliegen war, dass die Bürger für ihre Altersvorsorge und eine mögliche Arbeitsunfähigkeit doch einen Teil ihres Verdienstes auf die hohe Kante legen sollten. Und so gründete er am 1. Oktober 1822 die Sparkasse „in der Erwägung wie ratsam und selbst notwendig es ist, vorzüglich Dienstboten und andere unbemittelte Personen zur Sparsamkeit aufzumuntern.“
Dabei war Behr, der von 1775 bis 1851 lebte, eine eher schillernde Persönlichkeit: Schon mit 23 Jahren war der Beamtensohn Doktor der Philosophie und der Jurisprudenz. 1799 berief ihn die Würzburger Universität zum Professor für Rechtswissenschaft. Seit 1818 trug er den Titel eines Hofrats und war ab 1819 Prorektor.

Aber: In der Ständeversammlung des Königreichs Bayern geriet er als Vertreter der Universität mit liberalen und bayernkritischen Äußerungen ins Visier der Obrigkeit. Während er in Würzburg zum Ehrenbürger – 1821 gar zum Ersten Bürgermeister gewählt wurde, war der auf eine konstitutionelle Monarchie drängende Bürgermeister freilich dem König ein Dorn im Auge.

Fotos: Archiv Sparkasse Mainfranken WürzburgFotos: Archiv Sparkasse Mainfranken Würzburg1832 wurde er nach zwei Reden auf dem königskritischen Gaibacher Fest seiner Ämter enthoben und bis 1836 in Untersuchungshaft gehalten. Wegen Majestätsbeleidigung und versuchten Hochverrats verbrachte er weitere zehn Jahre in Gefängnis und Verbannung. Erst 1847 wurde er begnadigt und 1848 rehabilitiert. Für wenige Monate war er daraufhin sogar noch Abgeordneter der Frankfurter Nationalversammlung.

Nach Nürnberg und Augsburg war Würzburg die dritte bayerische Stadt mit einer Sparkasse. 1818 hatte ein königlicher Erlass die Städte und Gemeinden dazu aufgefordert, den am meisten von Armut bedrohten Schichten unter die Arme zu greifen.

Dazu gehörte auch, „nach Umständen für die Bildung von Sparkassen für die Zeiten des Alters und der Noth, und für die Ausmittlung von Leihcassen zu sorgen, besonders aber dahin zu trachten, dass für Handwerksgesellen und Dienstboten ein Sicherungsverband auf Fälle der Krankheit mittels kleiner Beträge von ihrem Lohne unter Mitwirkung der Meister und Dienstherren zustande komme.“ In den folgenden Jahren gesellten sich auch die kleineren Städte unserer Region hinzu: Zwischen 1836 und 1945 entstanden rund um Würzburg ein knappes Dutzend Sparkassen.

Im weiteren Verlauf des Jahrhunderts machten die Sparkassen ihrem Namen alle Ehre und zu Beginn des 20. Jahrhunderts gesellten sich zum beliebten Sparkonto noch weitere Konten hinzu: nämlich die Scheck- und Girokonten. Vier Mühlen und eine Mehlgroßhandlung rechneten schon ab 1915 ihre Lieferungen an das städtische Mehlamt per Schecks ab — nachdem in München bereits seit 1911 Schecks ausgestellt und zwischen Girokonten überwiesen wurden.

Weil es 1916 immer noch erst 32 Kunden in Würzburg gab, welche die neue Zahlungsweise nutzten, erließ der damalige Bürgermeister Ringelmann einen Magistratsbeschluss, dass sich Kämmerei, Bürgerspitalrentamt sowie Gas-, Wasser und Elektrizitätswerk samt Hafen- und Lagerhausverwaltung dem Scheckverkehr anschließen müssen.

Seit ihrer Gründung war die Städtische Sparkasse zunächst in Räumen des Rathauses, dann in der Karmelitenstraße und in der Domstraße untergekommen. Als „unpraktisch und einer Sparkasse von der Bedeutung Würzburgs nicht mehr entsprechend“ bezeichnete 1927 eine Denkschrift die Räume. Kurz: Die Sparkasse war gewachsen und brauchte Platz. Ein eigenes Gebäude musste her.

Noch im selben Jahr sprengten und schaufelten Arbeiter eine Baugrube am Neumünsterplatz, der neuen Heimat der Würzburger Sparkasse. Im April 1928 erfolgte die Grundsteinlegung und im September war das Dach bereits mit Schiefer gedeckt. 820 Quadratmeter Grundfläche standen der Sparkasse nun zur Verfügung – hochtechnisiert mit Rohrpost und „automatischer Telephonanlage“. Zur Einweihung am 16. Februar 1929 begrüßte Oberbürgermeister Dr. Löffler in der Domstraße 4 zwei Dutzend Ehrengäste.

Nur 16 Jahre später lag der neue Sparkassenbau in Trümmern. Einer der davor stand, aber sozusagen die Ärmel hochkrempelte, war Ernst Häußner. 1936 war er zur Städtischen Sparkasse Würzburg gekommen. Zunächst Stellvertreter von Direktor Josef Kordowich wurde er 1956 Direktor der Sparkasse. Beide setzten sich unermüdlich für den Wiederaufbau Würzburgs ein. Für seine Unterstützung und für sein umfangreiches Engagement für Kultur, Sport und Gemeinwohl der Stadt erhielt Häußner 1973 das Bundesverdienstkreuz am Bande.

Die Sparkasse selbst setzte den Betrieb nach dem Angriff 1945 zunächst in der Mozartschule fort, bevor man sich im wiederhergerichteten Ostflügel des alten Gebäudes einrichtete. Weil dies nur ein Provisorium sein konnte, begann man mit den Planungen für den Neuaufbau. Das neue Gebäude schloss die Lücke zwischen Dom und Neumünster und wurde im April 1951 eröffnet.

Davor hieß es für alle Deutschen: Währungsreform. Ab dem 20. Juni 1948 war das Geld wieder etwas wert. Aber für die meisten Menschen blieb es erst einmal knapp. Die Tugend des Sparens war also wichtiger denn je. Eine Ausgabe der Sparkassen Rundschau der Kreis- und Stadtsparkasse Kitzingen widmete sich 1949 dem Thema, Kindern das Sparen näherzubringen: „Geld ist nicht dazu da, gedankenlos vertan zu werden. Wenn man es einem Kind in die Hand gibt, sollte man ihm klarmachen, daß es kein Spielzeug oder zum Vernaschen bestimmt ist, sondern daß jeder Pfennig seinen Wert hat.“

1950 hielt die Mechanisierung der Buchhaltung Einzug ins Sparkassenleben. Was früher mit Tinte und Feder akkurat in Kassenbücher eingetragen wurde und in den 20er Jahren des vergangenen Jahrhunderts mit immer clevereren mechanischen Rechenmaschinen erledigt wurde, übernahmen nun gewaltige Buchungsmaschinen, die ihre Ergebnisse auch ausdrucken konnten. Und schon 1964 begann für die Sparkasse Würzburg das Computerzeitalter: Die IBM 1401 bestand aus einer Abfüll- und Stanzeinheit für die Lochkarten, einer Zentraleinheit und einem Drucker für Listen und Formulare. Die schrankgroßen Teile benötigten einen eigenen Raum und Bediener in weißen Kitteln.

Schon 1970 folgte mit dem IBM 360/30 ein noch modernerer Rechner. Mit seinen vier Platten- und zwei Bandspeichern arbeitete er in zwei Stunden 70.000 Geschäftsvorgänge auf 30.000 Konten ab. Die Additionsmaschinen waren jetzt bereits mit dem Computer verbunden. An den Schaltern standen Ein- und Ausgabegeräte, die per Telefonleitung auf die Leistung des Rechners zugriffen. Und: Man konnte seine Bankgeschäfte jetzt auch vom Auto aus erledigen: 1965 eröffnete in der neuen Zweigstelle Frauenland der erste Autoschalter.

Fotos: Archiv Sparkasse Mainfranken WürzburgFotos: Archiv Sparkasse Mainfranken Würzburg1975 hieß es für die Städtische Sparkasse Würzburg wieder einmal umziehen. Die neue hochmoderne Hauptstelle in der Hofstraße wurde eröffnet. In 20 Monaten Bauzeit wuchs aus 14.000 Kubikmetern Beton und 1.000 Tonnen Baustahl ein dreigeschossiger Bau mit flachem Dach. Er bot in seinem 2.000 Quadratmeter großen Erdgeschoss die für damals unerhört hohe Zahl von 16 Kassen – den Autoschalter noch nicht mit eingerechnet.
70.000 Spar- und 20.000 Girokonten wurden hier geführt. Darunter auch die der früheren Zweigstelle Stadtmitte in der Theaterstraße. Zwanzig Jahre später war es trotz großzügiger Planung zwischen Domerpfarrgasse und Maxstraße bereits wieder zu eng geworden. 1994 reiften Pläne, auf das Flachdach eine weitere Etage zu bauen. Im Frühjahr 1998 standen der Städtischen Sparkasse Würzburg dann nach knapp zwei Jahren Bauzeit weitere 1.220 Quadratmeter zur Verfügung.

Spannend wurde es am 10. April 1984: Die Würzburger fanden in ihren Briefkästen ein Flugblatt der Polizei. Gesucht wurden Hinweise auf eine konspirative Wohnung der Bankräuber, die am 26. März morgens in der Filiale Frauenland der Städtischen Sparkasse 171.000 Mark erbeutet hatten. In Verdacht standen Mitglieder der Roten Armee Fraktion (RAF). Tatsächlich wurde bei der im Juni festgenommenen Linksterroristin Manuela Happe ein Geldschein aus der Beute gefunden.

Pünktlich zur Jahrtausendwende 2000 konnte die Sparkasse eine Hochzeit feiern: die Städtische Sparkasse Würzburg, die Kreissparkasse Würzburg, die Sparkasse Main-Spessart und die Kreis- und Stadtsparkasse Kitzingen fusionierten zur Sparkasse Mainfranken Würzburg. Mit einer Bilanzsumme von 11,2 Milliarden Mark war das neue Institut, nach der Stadtsparkasse München, für einige Zeit die zweitgrößte Sparkasse in Bayern.

Die Sparkasse Mainfranken Würzburg profitierte von Synergieeffekten, ihre Kunden von einem besseren Service- und Produktangebot. Während sich die beiden Würzburger Sparkassen schon früh auf eine Hochzeit verständigt hatten, sagte die wesentlich kleinere Kitzinger Sparkasse erst im März 1999 „Ja“. Und: Lange sah es so aus, als bliebe die Sparkasse Main-Spessart außen vor. Der Stadtrat Lohr ließ den Vorschlag am 14. April 1999 durchfallen, stimmte aber dann doch noch zu.
Wie bereits 1949 gab es 2002 mal wieder neues Geld: Der Euro kam – und bedeutete zunächst lange Schlangen in den Kundenräumen und den Extraschaltern. Ganz Neugierige hatten schon in der Silvesternacht die ersten Scheine an den Bankautomaten gezogen. Nun ging es darum, seine D-Mark in Euro zu tauschen. Die Sparkasse Mainfranken Würzburg hatte schon im Dezember den Bedarf ihrer gewerblichen Kunden abgefragt, die Beträge bei der Bundesbank angefordert, tonnenweise eingelagert und zur Abholung bereitgestellt.

Mit der Nutzung des Internets wuchs auch dessen Bedeutung: Immer mehr Menschen wickelten Käufe und Verkäufe und auch ihre Bankgeschäfte über das Internet ab. „Online“ hieß und heißt das Zauberwort. Mehr als 11.300.000 Besucher hatte 2021 die Internetfiliale der Sparkasse Mainfranken Würzburg, mit der man seit 2018 online und rund um die Uhr eine Vielzahl von Bankgeschäften erledigen kann. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beraten und betreuen die Kunden via PC, Tablet oder Smartphone — wochentags bis 20 Uhr und sogar am Samstag. Und schon seit 2009 erleichtern Apps der Sparkasse für Smartphone und iPhone die Geld- und Bankgeschäfte mit smarten und sicheren Softwarelösungen.

Doch bei allem digitalen und technischen Fortschritt: Auch 200 Jahre nach ihrer Gründung steht für die Sparkasse Mainfranken Würzburg der Mensch im Mittelpunkt. Und: Mehr als einmal hat sie sich im Laufe ihrer langen Geschichte für die Menschen in unserer Region als „Fels in der Brandung“ bewährt.

 

UP - Der Überblick

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