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UPWas hinter der Kakaobohne steckt

Die Magie des Kakao

Michael Levit, genannt Kakaomischa, nimmt die belizianischen Bohnen genau unter die Lupe. Michael Levit, genannt Kakaomischa, nimmt die belizianischen Bohnen genau unter die Lupe. Ela Fabienne Breuer

Auf einer Weltreise entdeckte Michael Levit die Magie von purem Kakao. Fernab von dem süßen Pulver, das die meisten Menschen mit Kakao in Verbindung bringen, hat er die „Superkräfte“ des reinen Kakaos entdeckt. Mit seinem roten Mini-Truck und finanziert von Crowdfunding will er das Getränk der Azteken in deutschen Landen besser bekannt machen.

Alles begann auf einer Weltreise: Nach dem Studium des Wirtschaftsingenieurwesens ging es zwar zunächst ins Berufsleben. „Doch dann habe ich schnell gemerkt, dass dies nicht das ist, was alle gesagt haben, das es für mich sein würde“, so Michael Levit im Gespräch mit dem UP Magazin. Die Konsequenz: ein bisschen Geld angespart, die Sachen gepackt, die Freundin mitgenommen und auf nach Südamerika. Es folgt ein längerer Prozess, die Liebe zum Kakao und ein neuer Name: Kakaomischa.

Doch der Reihe nach: „Wir waren fast ein ganzes Jahr in Südamerika, sind herumgetourt, ohne Zeitrahmen und mit nur ein bisschen Geld auf dem Konto“, beschreibt Michael Levit die Reise. Die Entfernungen wurden per Anhalter überbrückt, Couchsurfing sparte Geld. „Wir haben immer versucht, möglichst billig zu wohnen.“ Dabei half beiden das Handelsgeschick der Freundin, die inzwischen die Ex-Freundin ist. „Wir kamen in der Regel mit 300 Euro pro Monat aus.“

Und dann kam schließlich die schicksalhafte Begegnung auf einem Wochenmarkt. „Ich bin immer neugierig auf andere Länder und ihre Gegebenheiten“, so Michael Levit. „Und dann sah ich etwas, das zunächst wie ein brauner Klotz erschien. Aus Neugierde habe ich mir ein Stück gekauft.“ Es war 100 Prozent reiner Kakao. Die Kakaobohnen werden geröstet, geschält und ergeben dann zunächst eine weiche Masse, die dann aber hart wird.

„Am Anfang ist mir nur der intensive Geschmack aufgefallen, doch dann spürte ich, dass Kakao Energie gibt. Das Wandern fiel einfacher, und Kakao gibt eine gewisse Klarheit und Fokussierung.“ Auch dass Kakao den Hunger hemmt, stellte Michael Levit fest und: „Reiner Kakao verleiht eine gewisse Euphorie. Schon bei 20 bis 30 Gramm ist das zu spüren. Es enthält Eisen, Magnesium, Zink und Antioxidantien. Es ist gut für den Körper und neudeutsch würde man es als Superfood bezeichnen.“

Der Kontakt zu den Bauern ist Michael Levit besonders wichtig. | Foto: Ela Fabienne BreuerDer Kontakt zu den Bauern ist Michael Levit besonders wichtig. | Foto: Ela Fabienne BreuerSeine Begeisterung für die Kakaobohne wuchs und es kam ihm zum ersten Mal die Idee, diese mit den Leuten in seiner Heimat zu teilen. „Der normale Endverbraucher hier hat keinen Zugang zu echtem Kakao,“ so Levit. „Für die Menschen bei uns ist Kakao das Pulvergetränk ihrer Kindheit, voll mit Zucker und Sojalecithin. Je mehr ich darüber nachdachte, formte sich die Idee, ich könnte den Menschen hier etwas bieten, das ihnen bis jetzt noch fehlt.“

Während die Schokolade, wie er meint, eher als lasterhaft gilt und gerne auch mit schlechtem Gewissen verbunden wird, will Michel Levit den guten Ruf von Kakao wiederherstellen. Auslöser sind seine Erfahrungen in Zentralamerika, wo der Kakao schon sehr lange von den Einwohnern gebraut und genossen wird. „Traditionell wird er mit Wasser zubereitet, dazu kommen Maismehl, Chili, Zimt und Cayennepfeffer – eine eher feurige Mischung also. Gerne gibt man aber auch etwas Honig dazu.“

Den Kakao in seiner ursprünglichen Form und Variation will Michael Levit mit einem eigenen Startup-Unternehmen unter die Leute bringen. Dies geschieht mit einem Kakao-Truck, einem Kleinlaster, mit dem er auf Festivals und Events seine Kakao-Kreationen auf den Markt bringt. Den Kakao verarbeitet er in einer eigens angemieteten Küche, um die Hygienestandards gewährleisten zu können. Die Kakaobohnen werden von ihm geröstet, gebrochen und entschält. Darauf folgt das Feinmahlen zu Kakaomasse in einem so genannten Melangeur. Seine Produkte sind also im wahrsten Sinne des Wortes hausgemacht.

Die Kakaobohnen röstet er in einem speziellen Topf mit zwei Heizelementen, durch den Luft gepumpt wird. „Das ergibt eine gleichmäßigere Röstung als in der Pfanne“, urteilt Michael Levit.
In der nächsten Stufe werden die Nibs mit dem Mörser klein gerieben und es entsteht die Kakaomasse, die durch den hohen Fettgehalt von rund 54 Prozent zunächst cremig ist, nach dem Abkühlen aber fest und hart wird. Diesen Kakao kann man dann reiben und weiterverarbeiten – oder direkt in Getränke und Müsli reiben.

Für seine Kakaokreationen bringt er zunächst Wasser oder nicht-tierische Milch zum Kochen und fügt nach Belieben eine Prise Salz und Pfeffer hinzu. Gewürze, Ingwer und Kräuter kochen im Wasser, während er den Kakao vorbereitet. Erlaubt ist alles, was spannend klingt, riecht oder schmeckt, meint er zu seinen Kakaogetränken.
Eine halbe Tonne Kakao hat er sich für den Anfang aus Belize kommen lassen. In dem kleinen Staat in Zentralamerika hat er eine Kooperative besucht, die mit Kleinbauern arbeitet. Finanziert wird sein Projekt über Crowdfunding.

Und wie kam es zu dem Namen Kakaomischa? „Ich bin in Dnepropetrovsk in der Ukraine geboren. Und in der Ukraine wird aus Michael Mischa. Schon in der Schule hier in Deutschland war ich schon immer der Mischa, zum Beispiel der Betonmischa und so weiter. Und nun bin ich eben der Kakaomischa.“

Mehr zu Michael Levits Kakaokreationen und die aktuellen Stationen des Kakao-Trucks unter
www.kakaomischa.de

 

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