UP Magazin

UPDie Tage des Quellenbachparkhauses sind gezählt

Das Parkhaus auf Stelzen

Läuft alles nach Plan, soll das Quellenbachparkhaus im Frühjahr oder Herbst 2023 abgerissen werden. Architekt Nils Kummer vom Fachbereich Hochbau der Stadt Würzburg begab sich mit dem UP Magazin auf einen Rundgang durch das dem Abriss geweihte Gebäude. Läuft alles nach Plan, soll das Quellenbachparkhaus im Frühjahr oder Herbst 2023 abgerissen werden. Architekt Nils Kummer vom Fachbereich Hochbau der Stadt Würzburg begab sich mit dem UP Magazin auf einen Rundgang durch das dem Abriss geweihte Gebäude. Uta Böttcher

Es ist irgendwie hässlich, es war aber trotzdem nützlich, es ist marode — und es kommt weg: Das Quellenbachparkhaus hat jahrzehntelang die Autos von Stadtbesuchern, Einkäufern und Pendlern beherbergt. Nun sind seine Tage gezählt. UP Magazin begab sich mit Architekt Nils Kummer vom Fachbereich Hochbau der Stadt Würzburg auf einen Rundgang.

Im Grunde genommen liegt es spektakulär: Auf zahlreichen Betonstelzen schwebt das Quellenbachparkhaus förmlich über dem Bach, der ihm den Namen gegeben hat – und der doch eigentlich Pleichach heißt. Von seinem filigranen Unterbau dürften freilich die meisten Besucher kaum etwas bemerkt haben. Denn zu massiv wirkt das Gebäude von der Straße aus, zu wenig ist auf den ersten Blick von einem fließenden Gewässer erkennbar.

In den 70er Jahren erbaut, steht es seit geraumer Zeit leer, ist gesperrt und wirkt wie eine alte Industrieruine. UP Magazin begab sich mit Architekt und Diplom-Ingenieur Nils Kummer vom Fachbereich Hochbau der Stadt Würzburg auf einen Rundgang durch das marode, aber durch seine Weite immer noch imposante Gebäude.

Nicht einmal ein Jahr ist es her, dass das Parkhaus geschlossen wurde — oder besser geschlossen werden musste. Die Würzburger Stadtverkehrs GmbH (SVG) als Betreiberin des Quellenbachparkhauses sah sich dazu gezwungen, im Juli vergangenen Jahres den Betrieb einzustellen, weil sich einzelne Bauteile gesetzt hatten. Es bestand die Gefahr, dass Betonstücke abplatzen könnten.

„Deutlich wird dies vor allem an der Verbindung zwischen Spindel und Parkdeck“, zeigt Nils Kummer bei der Begehung auf. In der Tat sieht man außen einen Versatz von einigen Zentimetern am Zusammenstoß der beiden Betonballustraden. „Man kann nicht zweifelsfrei beurteilen, wie lange die Konstruktion noch halten würde und daher musste man das Parkhaus schließen.“

Nachdem Anfang der 2000er Jahre mit den Würzburg Arcaden ein Einkaufszentrum am Hauptbahnhof und später der Ersatzbau der Firma Bader geplant wurde, ist vor allem in die reine Bestandserhaltung und Wartung investiert worden. So wurde 1999 die bahnhofsseitige Ausfahrt und ein Jahr später das Dach saniert. Auch danach erfolgten immer wieder weitere Sanierungsmaßnahmen.

Fotos: Uta BöttcherFotos: Uta BöttcherSelbstverständlich wurde die Bausubstanz nach fast einem Jahr Leerstand des Gebäudes ebenfalls nicht besser. Bisweilen kommt schon die Armierung durch den Beton, aber auch Pflanzen haben begonnen, sich auf dem obersten Parkdeck auszubreiten. Eine Weide versucht dort zum  Baum zu werden – doch dafür dürfte die Zeit nicht reichen.

Denn: Voraussichtlich im Frühjahr oder Herbst nächsten Jahres wird das Quellenbachparkhaus abgerissen werden. Der genaue Zeitpunkt ist deswegen noch im Vagen, weil sich das Parkhaus in einem sensiblen städtischen Bereich befindet: direkt über der Pleichach und darüber hinaus sowohl im Wasserschutzgebiet als auch in der Nähe des Ringparks. Ein Abbruch gestaltet sich daher alles andere als banal.

„Zunächst benötigen wir ein Abbruchkonzept, das allen Bedürfnissen entspricht, dann können wir voraussichtlich im Herbst dieses Jahres ins umweltrechtliche Genehmigungsverfahren“, beschreibt Nils Kummer den Zeitplan. Dabei werden unter anderem die Belange des Naturschutzes, des Wasserwirtschaftsamtes, der Fischereifachberatung und anderer Institutionen einfließen. „Wenn alles klappt, können wir im nächsten Jahr mit dem Abriss beginnen. Dabei müssen wir mit großem Aufwand dafür sorgen, die Beeinträchtigungen so gering wie möglich zu halten.“

So muss man unter anderem gewährleisten, dass beim Abbruch kein Material in die Pleichach geschwemmt wird. Nicht einmal das Kühlwasser der Betonsägen darf in den Bach gelangen, denn das alkalische Kühlwasser wäre schädlich für den Fischbestand. Zudem will man auch nicht die Kolonie der Saatkrähen verscheuchen, die sich im Ringpark angesiedelt hat — und andernorts oft nicht gern gesehen ist.
Die reinen Abbrucharbeiten werden zwischen drei und vier Monaten dauern. Dabei wird wahrscheinlich zeitweise auch die Straße vor dem Quellenbachparkhaus gesperrt werden müssen, um die Baustelle einzurichten und das Abbruchmaterial abtransportieren zu können.

Gerne hätte man mit dem Abbruch gewartet, bis das neue Parkhaus am Bahnhof fertig ist, das direkt neben dem Quellenbachparkhaus liegt und für das die vorbereitenden Arbeiten derzeit beginnen. Die marode Bausubstanz machte diesem Plan einen Strich durch die Rechnung und die 337 Stellplätze gingen durch die Schließung zunächst verloren.

Knapp über drei Millionen Mark hatte der Würzburger Stadtrat am 12. September 1973 für den Bau des Quellenbachparkhauses genehmigt. Rechnet man das in eineinhalb Millionen Euro um, würde man heutzutage kaum ein Einfamilienhaus an dieser Stelle bauen können – selbst wenn einem das Gelände gehört.

Fotos: Uta BöttcherFotos: Uta BöttcherUnd die Maße des Parkhauses können sich sehen lassen: 201 Meter lang und 13,7 Meter breit ist jedes einzelne der drei Parkdecks was einer Fläche von über 2.700 Quadratmetern entspricht – pro Deck wohlgemerkt. Hinzu kommen die beiden Spindeln zur Ein- und Ausfahrt an jedem Ende, deren Durchmesser 21,7 Meter beträgt. Daraus ergibt sich eine Gesamtlänge des Parkhauses von 240 Metern.
Wie imposant der Baukörper ist, bemerkt man freilich erst, wenn man über die leere, autofreie Parkfläche im Innern gehen kann. Die Quadratmeterzahl eines Decks ist größer als die eines Fußballfeldes.

Auf dem obersten Deck zerfällt gerade das Kassenhäuschen. Immerhin ist die Preistabelle der WVV noch wie neu: Sie besagt, dass das Parkhaus täglich 24 Stunden geöffnet ist, bei einem Preis von 50 Cent für eine halbe Stunde und einem werktäglichen Tageshöchstsatz von 11 Euro.

Blickt man vom Parkdeck auf der zu den Geleisen zugewandten Längsseite hinab, sieht man die Pleichach fließen. Sie wird zwar nicht so renaturiert werden, wie oberhalb des Parkhauses vor den Studentenapartments. Aber immerhin ist als ökologische Ausgleichsmaßnahme für die Neubauten am Bahnhof eine Troglösung vorgesehen, innerhalb derer die Pleichach mäandrieren darf, bevor sie unter dem Bahnhofsgelände verschwindet und verrohrt dem Main zufließt.

 

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