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UPNoch 1.400 Lehrstellen in Unterfranken unbesetzt

Das Image stärken

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In allen Handwerksbereichen müssen die Ausbildungsgbetriebe immer größere Anstrengungen unternehmen, um freie Lehrstellen besetzen zu können. Derzeit sind noch 1.400 Lehrstellen im Einzugsgebiet der Handwerkskammer Unterfranken unbesetzt.

Teamwork, gute Arbeitsatmosphäre und sehr gute Aufstiegschancen: All dies zeichnet die Bauberufe aus. Das Baugewerbe steht für bestens ausgebildete Fachkräfte, die mit ihrer Arbeit die Qualität von Bauleistungen sicherstellen. Und: Nach einer erfolgreich abgeschlossenen dualen Ausbildung existieren interessante Weiterbildungsmöglichkeiten, wie beispielsweise fachspezifische Fortbildungen oder auch die Weiterbildung zum Meister. Letztere ist auch Grundlage für eine unternehmerische Selbstständigkeit.

Trotzdem führen die Berufe rund um Maurer, Betonbauer, Maler, Straßenbauer oder auch Zimmerer, Luftheizungsbauer und Gerüstbauer ein Schattendasein, was die Berufsauswahl junger Auszubildender in der Region angeht.

„Wie in allen Handwerksbereichen müssen auch die Ausbildungsbetriebe im Bereich Bau immer größere Anstrengungen unternehmen, um freie Lehrstellen besetzen zu können“, weiß Nadine Heß, Referentin für Öffentlichkeitsarbeit bei der Handwerkskammer Unterfranken. Im vergangenen Jahr registrierte die Handwerkskammer für Unterfranken insgesamt 458 neue Lehrlinge in den verschiedenen Bauberufen.

Rund 1.000 Lehrstellen sind im vergangenen Jahr im unterfränkischen Handwerk freigeblieben, weil sich keine passenden Bewerber gefunden haben, so Nadine Heß weiter. Unbesetzte Lehrstellen gibt es dabei über alle Bereiche des Handwerks hinweg. Ein Blick in die Lehrstellenbörse der Handwerkskammer für Unterfranken zeigt aktuell noch rund 1.400 freie Lehrstellen für das derzeitige Ausbildungsjahr.

2017 haben insgesamt 2.845 junge Menschen eine Ausbildung im unterfränkischen Handwerk begonnen. Im Vergleich zum Vorjahr ist die Zahl neuer Lehrverträge stabil geblieben. Die Gesamtzahl der Auszubildenden im unterfränkischen Handwerk betrug im vergangenen Jahr 7.675, das sind 100 mehr als im Vorjahr.

Im Bereich der Schulabschlüsse hat sich 2017 der Wandel der Vorjahre fortgesetzt, so stieg die Zahl der neuen Lehrlinge mit höherem Schulabschluss weiter an: 36,2 Prozent der neuen Lehrlinge haben einen Realschulabschluss und 9,5 Prozent die Hochschulreife. Hingegen ging der Anteil der neuen Auszubildenden mit Haupt- bzw. Mittelschulabschluss weiter auf 47,4 Prozent zurück.

Ob in den Bereichen Kommunikation, Gesundheit, Bau und Ausbau, Energie und Umwelt, Mobilität, Material und Technik, Essen und Trinken oder Mode und Gestaltung: Die rund 130 Ausbildungsberufe im Handwerk – von A wie Augenoptiker bis Z wie Zimmerer – bieten eine enorme Vielfalt, beste Zukunftschancen und tolle Entwicklungsmöglichkeiten für Jugendliche unterschiedlichster Schularten.

Lange Zeit propagierten Politik und OECD, die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung die akademische Ausbildung: Möglichst viele Jugendliche sollen das Abitur machen und eine akademische Laufbahn einschlagen. Das Handwerk, das im Volksmund schon immer goldenen Boden hatte, geriet ins Hintertreffen. Ausbildungsberufe wurden „uncool“ für die Jugendlichen und das Image der Handwerksberufe litt. Inzwischen versuchen Handwerkskammer und Betriebe das Image der Handwerksberufe wieder zu stärken.

Die Devise der Handwerksausbildung heißt „kein Abschluss ohne Anschluss“. Denn wer seine Lehre im Handwerk erfolgreich absolviert hat, kann eine Vielzahl an Weiterbildungsmöglichkeiten nutzen. Nach der erfolgreichen Ausbildung steht im Handwerk die Arbeit als Gesellin oder Geselle. Für Gesellen bieten sich zahlreiche fachspezifische Weiterbildungen an sowie die Möglichkeit, sich zum Meister seines Handwerks weiter zu qualifizieren.

Ein Meister kann einen eigenen Betrieb gründen, als Ausbilder tätig sein, sich zum Fachlehrer an einer Berufsschule weiterbilden, sich in den Bildungseinrichtungen der Handwerkskammer zum Geprüften Betriebswirt nach der Handwerksordnung (HwO) qualifizieren oder als angestellter Meister in einem größeren Unternehmen arbeiten.

Eine duale Ausbildung zeichnet sich durch die Mischung von praktischer Ausbildung im Betrieb und Fachunterricht in der Berufsschule aus. Eine Besonderheit der dualen Ausbildung im Handwerk ist zudem die überbetriebliche Ausbildung (ÜLU), an der alle Auszubildenden teilnehmen. Dabei handelt es sich um berufsspezifische, praktische Unterrichte, die die Ausbildung in den Betrieben ergänzen. Die ÜLU findet in den Bildungszentren der Handwerkskammer oder Innungen statt.

Die Ausbildung in deutschen Handwerksbetrieben ist hervorragend. Dazu kommt, dass sie meist in kleineren Betrieben stattfindet, wo der junge Berufsanfänger nicht einfach eine Nummer ist, sondern es eher familiär zugeht. Das Qualifikationsniveau hat sich inzwischen so weit gesteigert, dass ein Meister gemäß des Deutschen Qualifikationsrahmens einem Bachelorabschluss entspricht und ein Geprüfter Betriebswirt nach der Handwerksordnung einem Masterabschluss gleichgestellt ist.

Und: Die duale Ausbildung – also im Betrieb und an der Berufsschule – ist inzwischen so durchlässig, dass seit dem Wintersemester 2009/2010 Meister an deutschen Hochschulen studieren dürfen.

Zu Ende gedacht könnte es für Jugendliche womöglich besser sein, zunächst einen Ausbildungsberuf zu beginnen, in dem man sofort Geld verdient – und dann den Meister zu machen, um sich den Weg an die Uni freizuhalten. Dem gegenüber gibt es viele Abiturienten, die an der Uni ihr Studium abgebrochen haben und mit leeren Händen und verlorenen Jahren vor einem ungewissen Neuanfang stehen.

 

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